Alles außer Kontrolle

Aktualisiert: 7. März 2021

Je mehr wir uns darauf konzentrieren, unser Umfeld und die Ausgänge unserer Gespräche und Aktionen zu kontrollieren, desto weniger Kontrolle haben wir. Kontrolle ist in diesem Kontext: Die Absicht eine vorhersehbare Situation herzustellen und auf dieser Basis zu kommunizieren. Vorhersehbar – nicht angenehm, förderlich und schon gar nicht nützlich.

Hierfür nutzen wir, meist unbewusst, Kontrollmuster. Ein Kontrollmuster ist jedes Verhalten oder jede Denkgewohnheit, die wir anwenden, um den emotionalen "Schmerz" zu vermeiden, der entsteht, wenn wir uns ängstlich, unwissend, töricht oder ohne Kontrolle fühlen. Wir versuchen das Risiko kritisiert, kontrolliert, beurteilt, im Stich gelassen, abgelehnt oder ignoriert zu werden, zu vermeiden. Ein Kontrollmuster hilft uns dabei, uns im Recht zu fühlen, die Situation meistern zu können oder uns wohl zu fühlen, anstatt mit dem, was wir wirklich fühlen, umzugehen.

Wie wir kontrollieren


Die Absicht zur Kontrolle zeigt sich, unter anderem, auf folgende Weisen:

  • Versuchen, andere zu beeindrucken

  • Manipulieren, um zu bekommen, was Sie wollen

  • Nett oder freundlich auftreten, um Ärger zu vermeiden

  • Lügen, um die eigenen oder die Gefühle anderer zu schützen

  • Leugnen, dass man Schmerz empfindet, wenn man verletzt ist

  • Davon auszugehen, dass Sie etwas wissen, was Sie wirklich nicht wissen können, anstatt mit der Ungewissheit der Situation zu leben (z.B. voreilige Schlüsse zu ziehen oder Annahmen darüber zu treffen, was das Verhalten eines anderen bedeutet)

  • Schweigen, um Konflikte zu vermeiden

  • Auf Nummer sicher gehen und versuchen, das Boot nicht ins Wanken zu bringen

  • Versuchen, ausgeglichener oder gelassener aufzutreten, als man in Wirklichkeit ist

nur um einige Beispiele, einer endlos langen Liste zu geben. Auf der Basis dieser Kontrollmuster bilden wir einen großen Teil unserer Kommunikation.



In den letzten Monaten habe ich mich immer wieder mit meinen Kontrollmustern in meiner Beziehung und deren Auswirkungen konfrontiert. Jedes Mal, wenn ich meine Meinung nicht teile, oder nur gefiltert, staut sich ein kleines bisschen mehr Frustration auf. Diese Frustration hat nichts mit meiner Partnerin zu tun, nicht mit dem was mir missfällt oder mit dem Vorfall. Sie ist einzig und allein auf das Kontrollmuster, das aus einer unterschwelligen Angst heraus genährt wird, zurück zu führen.

Ich weiß, theoretisch, dass Kleinigkeiten sofort angesprochen und bereinigt werden sollten. Ich weiß, wie ich diese Mitteilungen transportieren kann, ohne meine Partnerin für meine Erfahrungen, mit der Situation, verantwortlich zu machen. Ich weiß, dass das Zurückhalten von solchen Informationen auf der Angst vor Zurückweisung und der Angst davor kritisiert zu werden basieren.

Je mehr ich versuche, den Ball flach zu halten, über Dinge, die mich stören, hinweg zu sehen, meine eigenen Grenzen nicht aufrecht halte, desto mehr versuche ich, Herr der Lage zu sein, den Sachverhalt zu kontorollieren. Der Versuch, eine vorhersehbare Situation zu erstellen, in diesem Fall: einen Streit vermeiden, basiert lediglich auf einer Vermutung. Ich kann unmöglich wissen, ob es zum Streit kommt. Ich gehe einer Vermutung nach, die beinhaltet, wie sich meine Partnerin verhalten oder wie Sie reagieren wird. Für jeden, der an Fairness glaubt, ist ein solcher Sachverhalt, ziemlich unfair.

Es ist nicht immer leicht, Kleinigkeiten sofort anzusprechen, meiner Partnerin sofort mitzuteilen, wenn mich etwas stört. Nichts desto trotz wird es täglich ein bisschen einfacher, jedes Problem sofort anzusprechen: „ich fühle mich …, wenn du … .“ ist hierfür einer der praktischsten Sätze.

Ich möchte hierzu noch sagen, dass es romantische und familiäre Beziehungen sind, in denen sich diese Muster am schwersten in den Griff zu bekommen sind. Sich dieser Muster bewusst zu werden, sie mit dem Umfeld teilen und gemeinsam mit dem Partner oder der Familie daran arbeiten, kann ein Segen für die Beziehung sein und Dieser neuen Sinn geben. Im Grunde sind all diese Ängste, die die Grundlage für unsere Kontrollmuster bilden, nichts weiter als nicht aufgelöste Trauma, die wir aus unserer Kindheit mit uns schleppen.



Kontrolle abgeben


Informationen, Gefühle und Empfindungen mit anderen austauschen, im Vertrauen darauf, dass wir, ungeachtet des Ergebnisses, damit umgehen können, wäre das Gegenteil von Kontrolle - in Verbindung stehen. „Wenn du mich bei der Arbeit störst, fühle ich mich unwohl. Es stört meine Konzentration und ich benötige mehr Zeit für diesen Artikel.“ ist ganz sicher die bessere Lösung, als den anderen zu ignorieren oder den Gedanken in sich hinein zu fressen. Als Menschen sind wir alle unterschiedlich und gehen mit unterschiedlichen Situationen unterschiedlich um. Sich seiner Kontrollmuster bewusst zu werden und diese als Orte persönlicher Heilung anzunehmen, ist ein ungemein befreiender Schritt. Wir entfernen uns davon, anderen die Verantwortung für unsere Empfindungen zu geben, vertrauen darauf, dass wir mit jeder Lebenslage umgehen können und hören auf, emotionalen Ballast mit uns herum zu schleppen.


Der erste Schritt


Eine regelmäßige Praxis, Aufgestautes abzubauen, ist ein gesunder Weg, sich wieder näher zu kommen. Dies kann im Betrieb, in der Partnerschaft oder innerhalb der Familie geschehen.


  • Setzen Sie sich Ihrem Partner, Kollegen, Mitarbeiter, Angestellten oder Familienangehörigen gegenüber.

  • Für 7 Minuten:

  1. Abwechselnd verwenden sie folgenden Satz. „Wenn du … sagst/machst, fühle ich mich … ."

  2. Reflektieren Sie zurück, was Sie gehört haben.

  • Machen Sie ein bis zwei Minuten Pause

  • Für 5 Minuten: Sprechen Sie über die Übung. Gehen Sie nicht auf die spezifischen Aussagen ein. Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich mitteilen? Wie geht es Ihnen, wenn Sie dem anderen zuhören?

  • Im Rahmen dieser Übung ist es nicht notwendig, die Themen aufzuarbeiten, zu erklären oder zu klären. Es geht hierbei darum, den anderen zu sehen und gesehen zu werden. Viele Themen, werden sich bei regelmäßiger Wiederholung dieser Übung von selbst auflösen. Wir lernen, wie wir Problem im hier und jetzt auflösen können, ohne diese ständig aufzuwärmen. Wenn wir lernen, wie sich andere in gewissen Situationen fühlen, können wir darauf regieren.

Versuchen Sie sich an diesen Rahmen zu halten. Machen sie die Sätze nicht unnötig länger. Verurteilen Sie ihr Gegenüber nicht. Bleiben Sie ruhig und hören Sie dem anderen zu. Hier gilt, die Gefühle und Wahrnehmungen anderer, sind nicht Ihre Verantwortung. Wie sich der Einzelne fühlt und die Situation wahrnimmt, hat nichts mit Ihnen zu tun. Es ist lediglich eine Reaktion, auf etwas, dass Sie mitteilen oder tun.


Diese Übung kann wie folgt aussehen:


A: „Wenn die Aufträge am Freitag nicht fertig gestellt sind, fühle ich mich verärgert und verängstigt.“ (Besonders in leitenden Positionen, kann nicht fertig gestellte Arbeit zu Ängsten um den Betrieb führen)

B: „Du fühlst dich verärgert und verängstigt, wenn die Aufträge am Freitag nicht fertig gestellt sind.“

B: „Wenn ich gesagt bekomme, wie ich meine Arbeit machen muss, fühle ich mich kritisiert.“ (Oft kontrollieren wir gewisse Arbeitsschritte, obwohl viele Wege zum gleichen Ziel führen können)

A: „Du fühlst dich kritisiert, wenn ich dir sage, wie du deine Arbeit machen sollst.“

A: „Wenn du nicht sofort auf meine Mails antwortest, fühle ich mich ignoriert.“

B: „Du fühlst dich ignoriert, wenn ich nicht sofort auf Mail antworte.“

B: „Wenn ich meinen Arbeitsfluss für Mails unterbrechen muss, fühle ich mich oft überfordert und komme aus meinem Rhytmus.“



A: „Wenn du die Küche schmutzig hinterlässt, fühle ich mich vernachlässigt.“

B: „Du hast dich vernachlässigt gefühlt, wenn ich die Küche schmutzig verlasse.“

B: „Wenn du meine Arbeit belächelst, fühle ich mich kritisiert.“

A: “Du fühlst dich kritisiert, wenn ich deine Arbeit belächle.“ (Ob Sie hier die Arbeit belächeln oder nicht, ist ganz unwichtig)

A: „Wenn du spät nach Hause kommst, fühle ich mich vernachlässigt.“

B: „Du fühlst dich vernachlässigt, wenn ich spät nach Hause komme.“ (Warum Sie spät nach Hause kommen, ist nicht wichtig)

B: „Wenn du mich ignorierst, wenn ich nach Hause komme, fühle ich mich zurückgewiesen.“ (Wer weiß schon, ob der andere einen ignoriert, oder einfach gerade für sich selbst an einem Ort ist, an dem es schwierig ist, sich dem anderen zu widmen? Eine Vermutung, aber auch das ist hier nicht wichtig)


Wenn sie lernen, Ihre Wahrnehmung und die damit verbundenen Gefühle auf diese Art mitzuteilen, öffnen Sie neue Möglichkeiten und Wege, Ihr Gegenüber zu sehen und zu verstehen.



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Alexander Müller


Alexander ist Trainer für Kommunikation und Coach.




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