Ich bin einsam

Aktualisiert: 7. März 2021

Seitdem sich SARS-CoV-2 verbreitet und zu COVID19 führt, hat sich mein Leben und das Leben von 7,674 Milliarden[1] Mitbewohnern verändert. Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Wort "Einsam" nicht in einem Gespräch oder das Gefühl von Einsamkeit in meinem Leben auftaucht. Die Veränderungen und Einschnitte in meinem Leben, im Bezug auf soziale Kontakte, empfinde ich als drastisch. Meine Psyche kann sich, nach mehr als einem Jahr, immer noch nicht vollständig mit den neuen Umständen zurechtfinden.

[1] Quelle: World Bank

Als einen Menschen, der soziale Kontakte täglich oder regelmäßig benötigt, habe ich mich nie betrachtet. Die täglichen Kontakte mit Kunden, Mitarbeitern und Angestellten haben einen sehr großen Teil meines Mitteilungsbedarfes gestillt. Große Menschenmengen oder Ansammlungen sind mir im Grunde zu wider und können mich schnell überfordern. Ich kann problemlos Wochen zu Hause verbringen und mich mit Büchern, dem Kochen und dem einen oder anderen guten Film beschäftigen. Im Urlaub suche ich mir Plätze aus, die von Massen nicht besucht werden. Einsame Strände, ein Haus in den Bergen oder ein Segelboot auf der Adria ziehe ich jedem Cluburlaub oder massentouristischen Orten vor. Einsamkeit war nie ein Thema, zumindest nicht auf einer bewussten Ebene.

Seelennahrung


Auf dem Weg nach Hause einen Abstecher über den geschäftigen Rochus Markt in Wien, ein Tratsch mit dem Gemüsehändler meines Vertrauens, einen Espresso und einen kurzen Plausch mit meinem Lieblingskellner – Seelennahrung. Mich am Samstag durch das Gewusel von Menschen am Brunnenmarkt zu schlängeln, am Yppenplatz wie ein Falke, der eine Maus erlegt einen Tisch zu ergattern, einen Kaffee zu trinken, meine Mitmenschen beobachten und die Sonne im Gesicht spüren – Seelennahrung. In einem Raum, voll mit Bekannten und Freunden meinen Körper und Geist durch Ashtanga Yoga fit zu halten und ein bis zwei mal die Woche für eine Stunde zu versuchen, meinen Partnerinnen beim Salsa nicht die Füße platt zu treten – Seelennahrung. Freunde zu treffen um das Tagesgeschehen zu beurteilen, privates zu besprechen oder den Lauf der Welt, wenn auch meist theoretisch, zu verändern – Seelennahrung.

Ich denke, jeder hat so seine Art und Weise, wie man Sorge dafür trägt seine Energie aufzuladen. Volle Akkus sind essentiell um einen nährenden Einfluss auf unser Umfeld zu haben. Sind die Batterien leer, ist es nicht möglich, für den Partner oder die Partnerin da zu sein, unserer Arbeit mit Passion nach zu gehen und das Umfeld in einer aktiven Art und Weise zu beeinflussen.

Als Menschen sind wir, im Gegensatz zu anderen Tieren, bedürftig und von sozialen Kontakten abhängig. Das ist keine Modeerscheinung, das ist unsere Natur. Ohne soziale Kontakte, die im familiäreren Kreis beginnen, können wir nicht überleben.


Was hat das mit Einsamkeit zu tun?


Einsamkeit hat einen fahlen Beigeschmack für Viele. Es gilt als ein sozial nicht besonders angesehener Wesenszug, irgendwie negativ behaftet. Ich bin der Auffassung, dass es, im erwachsenen Leben, die Einsamkeit ist, die uns zu sozialen Menschen macht. Der fundamentale Antrieb, nach Freunden, Partnern und anderen sozialen Kontakten zu suchen. Ohne Einsamkeit, wozu sollte ich mich mit Freunden oder Bekannten treffen, einem Verein beitreten oder mich an einem winterlichen Dezember Abend an den Punschstand stellen? Es ist die Einsamkeit, die uns nach der Wärme eines Partners, der Nähe zu Freunden und Familie und der Teilnahme an diversen Aktivitäten führt. Ein grundsätzlicher Baustein unserer menschlichen Existenz. Kein Damoklesschwert, das über uns hängt und uns an mögliches Unheil erinnern soll, sondern einer der elementarsten Bausteine unseres sozialen Seins.


Wie umgehen mit der Einsamkeit?


„Beim Reden kommen d' Leut zam!“ oder für alle, nicht aus Österreich stammenden, deutsch sprechenden Mitbürger „Beim Reden kommen die Leute zusammen“. Ein guter erster Schritt ist es, seine Einsamkeit und die individuellen Auswirkungen mit seinen Mitmenschen zu teilen. „Ich vermisse es, nach dem Markteinkauf am Maibachufer, einen Kaffee zu trinken und die Leute zu beobachten. Wenn ich solche Dinge nicht machen kann, fühle ich mich einsam.“ Wenn wir beginnen über die subjektiven Auswirkungen unserer Einsamkeit zu sprechen, diese mit dem, oft stark eingeschränkten, Umfeld teilen und andere zum Austausch einladen, öffnen wir einen Raum, um uns auf einer der menschlichsten Ebenen unseres sozialen Miteinanders zu treffen.

Über Gefühle zu sprechen, beziehungsweise sich diesen Gefühlen vorab bewusst zu werden, ist für sehr viele nicht einfach. Viele von uns, vergangenen Versionen von mir eingeschlossen, haben den Umgang mit Gefühlen nie gelernt und die Notwendigkeit diese mitzuteilen noch viel weniger. Stichwort „Big girls don’t cry“ oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. In Zeiten, in denen wir uns jedoch nicht auf die unbewussten Wege, in denen wir unsere Gefühle mitteilen, besinnen können, ist die Kommunikation mit Worten wichtiger als jemals zuvor. Ich sehe eine selbstreflektierte, ehrliche und nährende Form der Kommunikation und des menschlichen Austausches als einen notwendigen Schritt, mit der bestehenden Situation umzugehen. Die Einstellung zu unserer Wahrnehmung über die Einsamkeit zu wandeln, wird nur gemeinsam funktionieren. Sich dessen gewahr zu werden, andere aus der Reserve zu locken und darüber zu sprechen, kann ein fundamentaler Schritt sein, um sich wieder mit seinem Umfeld in Kontakt zu fühlen.


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Alexander Müller


Alexander ist Trainer für Kommunikation und Coach.




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