Verantwortung für die eigenen Erfahrungen übernehmen

Aktualisiert: 7. März 2021



Wir alle tragen Verantwortung dafür, wie wir auf alltägliche Situationen reagieren. Trotzdem tendieren wir in vielen Situationen dazu, diese Verantwortung für unsere Gefühle und Emotionen auf andere Personen oder Institutionen zu projizieren. Ich befand mich immer wieder in Situationen, wo es mir nur schwer möglich ist, den wahren Grund meines Ärgers oder meiner Frustration zu erkennen. Es ist im ersten Moment einfacher, das Gegenüber zu verurteilen oder zu beschämen, anstatt dem eigentlichen Grund für den empfundenen Ärger oder die empfundene Frustration auf den Grund zu gehen.

Zu lernen, Verantwortung für die eignen Erfahrungen zu übernehmen und die eigene Stimmung nicht mehr von Anderen beeinflussen zu lassen, ist eine der wertvollsten Lektionen, die ich in den vergangenen Jahren gelernt habe.


Warum projizieren wir unsere Erfahrungen auf andere?

Um zu verstehen, wie man Verantwortung für aufkommende Erfahrungen übernehmen kann, ist es wichtig zu wissen, wie es zu einer Reaktion, die wir als Ärger, Frustration oder Unmut bezeichnen, kommt.


Es ist Montag morgen, die Arbeitseinteilung steht, ein Teil des Teams ist frisch und erholt, ein Teil des Teams in demoralisierender Montagsstimmung, alles in allem ein normaler Montag. Um 6:35, 10 Minuten vor Arbeitsbeginn eine Nachricht: „Es geht mir heute gar nicht gut, habe vermutlich was Falsches gegessen, gehe später zum Arzt und melde mich dann.“ Die erste Reaktion: Ärger – in welcher Form auch immer.

Es ist jedoch nicht die Aussage oder Aktion des Mitarbeiters, die vielleicht nicht meinem Ideal von Moral und Wert entspricht, die mich verärgert. Es sind vergangene Erfahrungen oder Erwartungen, die ich in die momentane Situation hinein interpretiere, die mich verärgern.

Es könnte weniger verärgernd sein, wenn sich ein Mitarbeiter verspätet, der sonst immer pünktlich ist, als die wiederholte Verspätung eines Anderen. In manchen Fällen vielleicht umgekehrt, je nach dem, welche Erfahrungen man mit dem Mitarbeitern in der Vergangenheit gemacht hat und welche Erwartungen man in den jeweiligen Mitarbeiter setzt.

In beiden Fällen ist es jedoch nicht das zu spät kommen, dass einen verärgert. Es ist auch nicht die Mehrarbeit die entsteht, weil beispielsweise die Arbeitseinteilung geändert, oder einem Kunden einen Termin absagsagt werden muss. All das ist unangenehm, wird aber meist schon unter Ärger ausgeführt. Es ist die damit aktivierte Existenzängste, da ich ja einen Auftrag verlieren oder meine Arbeit nicht gewohnt abliefern könnte. Die Verspätung daher ist der Trigger, aber der empfundene Ärger hat damit nichts zu tun.

In ausgesprochen vielen Fällen, wenn Ärger empfunden wird, hat dies etwas mit einer darunterliegenden Angst zu tun.


Warum ist es so schwer, Verantwortung zu übernehmen?

Nachdem unsere Eltern für uns gesorgt haben, sorgen im Kindergarten Kindergärtnerinnen und Kindergärtner für unser Wohlergehen, in der Schule werden wir von den Lehrern und Lehrerinnen beeinflusst, an der Universität von unseren Dozentinnen und Dozenten und in der Ausbildung von unseren Vorgesetzten. Wir lernen von Kindheit an, dass Andere für uns verantwortlich sind. Durch zahllose Institutionen wird uns das Verantwortlich sein „abgenommen“. Was von einigen als Bevormundung empfunden wird, ist für viele andere Normalität und vermittelt eine trügerische Sicherheit.


Erfahrungen im Erwachsenenalter

Während des ersten Teils unseres Lebens, wurde uns die Verantwortung abgenommen. Jetzt sind wir erwachsen, doch tendieren immer noch dazu, unsere Erfahrungen auf bestimmte Institutionen, unsere Partner oder Vorgesetzten zu projizieren. Dies resultiert darin, dass wir regelmäßig Andere für unsere negativ belasteten Erfahrungen verantwortlich machen. Ebenso wie wir erwarten, dass Andere uns positiv stimmen. Unseren Partner machen wir verantwortlich, dass wir in romantischer und sexueller Hinsicht zufrieden gestellt sind, den Chef für die finanzielle Situation und der Staat für die soziale Sicherheit. Wenn dies aus diversen Gründen nicht wie gewohnt geschieht, ist der Frust oft unermesslich.


Was tun?

Schauen wir uns an was man in diesen Fällen anders machen kann und welchen Einfluss das auf uns unser Umfeld hat.


Durchatmen

Ob sich eine frustrierende Situation anbahnt oder man mitten in Ihr steckt, atme zunächst ein paar Mal tief durch. Tief einatmen und mit einem seufzen ausatmen. Durch die, im Kehlkopf entstehenden, Vibrationen wird die Verbindung von unseren Gefühlen zu unseren Gedanken kurz unterbrochen, der Vagus Nerv wird aktiviert und Entspannung tritt ein. Versuchen sie es, wo auch immer sie gerade sind. Schließen sie die Augen, nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge bei denen Sie mit einem Ton, der den Kehlkopf zum Schwingen bringt ausatmen.

Hier ein kleiner Tipp, dem Gegenüber ins Gesicht zu schnaufen, kann zu Konflikten führen. Diese Technik sollte daher eher verwendet werden, um sich selbst zu beruhigen, zum Beispiel nach einem aufreibenden Telefonat oder einer E-Mail die Ärger aufkommen lässt.


Anschuldigungen vermeiden

Sätze oder Aussagen die mit „Du bist…“, „Du hast…“, „Jedes Mal…“, „Immer…“ beginnen, wenn dem Gegenüber etwas mitgeteilt wird, sind sehr oft klare Anzeichen, dass man im Begriff ist, jemanden zu beschuldigen, beschämen oder anzuklagen. Dies hat nichts damit zu tun, was uns wirklich beschäftigt und ist daher nicht unbedingt konstruktiv. Versuchen Sie stattdessen doch mal Sätze die mit „Ich fühle…“, „ Ich vermute…“, „Wenn du … sagst, denke ich mir … .“. Diese kleinen Veränderungen bewirken Wunder, wenn es darum geht uns anderer mitzuteilen.


Verallgemeinerungen reduzieren

Ich werde nicht gerne in einen Topf mit allen anderen geworfen, Sie? Verallgemeinerungen werden meist in Sätzen wie “Niemand geht gerne arbeiten!”, “Das war schon immer so”, oder “Männer sind Schweine” zum Ausdruck gebracht. Solche Verallgemeinerungen deuten ganz klar darauf hin, dass keine Verantwortung übernommen wird.

Anstatt der oben genannten Beispiele, kann folgendes verwendet werden. Versuchen Sie eigene Sichtweisen und deine Gefühle zu teilen. Verwende beispielsweise Ausdrücke wie “Meiner Ansicht nach…”, “So wie ich das sehe…” oder “Ich stelle mir vor…”.


Eine Pause machen

In emotional geladenen Situationen ist es sehr hilfreich, eine Pause einzulegen. In hitzigen Momenten werden oft Dinge gesagt oder Worte verwendet, die man im nachhinein bereut. „Ich kann mich nicht mehr auf unser Gespräch konzentrieren und brauche eine Pause. Können wir uns bitte in einer Stunde weiter über dieses Thema unterhalten?“ ist ein Beispiel, wie man sich Raum schaffen kann, um das Nervensystem zu beruhigen, ein paar mal tief zu atmen, eine Runde durch den Park zu gehen, oder sonst etwas, das einem hilft, ruhig und besonnen ins Gespräch zurück kehren zu können.


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Alexander Müller


Alexander ist Trainer für Kommunikation und Coach.



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